Presseberichte

Der Bote am 06.06.2019

Umgebaute Säge schafft Teilhabe im Werkunterricht

Martin Bachner engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich für Kinder und Jugendliche im Wichernhaus – drei Gehrungssägen umgebaut

Altdorf – Menschen mit Behinderung können nicht alle Geräte bedienen, die in den Läden zu kaufen sind. Tüftler Martin Bachner hat für junge Menschen, die im Wichernhaus in Altdorf leben, in den vergangenen Jahren verschiedene Maschinen konstruiert. Dafür wurde er 2016 in Nürnberg mit dem „EhrenWert“-Preis ausgezeichnet. Kürzlich hat er in der Einrichtung der Rummelsberger Diakonie die dritte umgebaute Gehrungssäge an das Team und die Schülerinnen und Schüler vom Förderzentrum für Körperbehinderte am Wichernhaus übergeben.

„Für wie viele Gehrungssägen findet ihr noch Platz“, fragte Martin Bachner bei der Übergabe scherzhaft. Über 520 Stunden Zeit hat er in den Umbau einer Gehrungssäge gesteckt. Nimmt man das mal drei, wird deutlich, wie intensiv sich der Ruheständler in den vergangenen drei Jahren allein für Kinder und Jugendliche engagiert hat, die das Förderzentrum für Körperbehinderte besuchen.

Die umgebaute Gehrungssäge nutzen Schülerinnen und Schüler im Werkunterricht. Die Säge funktioniert mit einem integrierten Sensor im Handgriff. Er erkennt, welche Bewegung der Schüler ausführen möchte. „Sofort nimmt die Elektronik den Befehl auf und steuert einen Elektromotor an und die Schüler können ohne viel Kraftaufwand sägen“, erklärte Bachner das Herz seiner Konstruktion. Damit ermöglicht der Altdorfer Bastler vielen Kindern und Jugendlichen Teilhabe im Unterricht. „Mit normalen Sägen können Schülerinnen und Schüler, die zum Beispiel halbseitig gelähmt sind, nicht mitarbeiten, weil sie das Gerät nicht bedienen können“, sagte Werkunterrichtslehrer Christian Lorenz. Den Plan für den Umbau der handelsüblichen Gehrungssäge zu einer teilautomatischen Säge überlegte sich der 67-jährige Tüftler selbst. Dann baute er sie aus Ersatzteilen von ausrangierten medizintechnischen Geräten und handelsüblichen Kleinteilen zusammen.

Finanziert wurde der Umbau der Säge mit Spenden über das Beratungszentrum für Kommunikationshilfen ELECOK im Wichernhaus. „Wir haben die Materialkosten von rund 600 Euro über Spenden organisiert. Aber die größte Leistung hat Martin Bachner erbracht“, bedankte sich Leiter Achim Hofmann.

Den Kontakt zum Wichernhaus vermittelte die Altdorfer Freiwilligenagentur Alfa. „Herr Bachner ist ein wahrer Glücksgriff“, lobte Schatzmeister Lothar König. Sein technisches Wissen und der große Wunsch, Kinder und Jugendliche zu unterstützen, seien unbezahlbar. Auch Werkunterrichtslehrer Lorenz bedankte sich für das außergewöhnliche Engagement. Ein Folgeprojekt ist zurzeit nicht geplant. „Aber wir bleiben in Kontakt und wenn wir einen Tüftler brauchen, sind Sie unser erster Ansprechpartner“, sagte Lehrer Lorenz.

 

Text und Foto: Heike Reinhold (Rummelsberger Diakonie)

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